Es ist ein handverlesener Zirkel, der Memminger "Kreis". Nur ausgewählte,
in der Regel hauptberuflich tätige Künstler dürfen sich zu
seinen Mitgliedern zählen. Derzeit sind es 13 an der Zahl. In Gruppenausstellungen
zeigen sie immer wieder den Stand der Dinge.
Früher. Jetzt ist es anders. Gemäß einem neuen Konzept stellen
künftig auch Teile des Kreises aus. Den Anfang machen vier Künstler,
die sich mehr oder weniger dem abstrakten Darstellen verschrieben haben: Joos
Mulzer (Memmingen), Pit Kinzer (Markt Rettenbach), Klaus Kowohl (Buxheim)
und Dieter Schütz (Erkheim). Ihre Gemälde und Grafiken sind drei
Tage lang im Antonierhaus zu sehen. Warum so kurz? Eine längere Präsentationsdauer
bringe kaum mehr Besucher in die Ausstellung, sagt Kreis-Sprecher Helmut Börner.
Lieber kurz und heftig also.
Es ist sicher ein weiser Entschluss, von Sammelausstellungen zu kleineren
Gruppenschauen zu wechseln. Das bietet ein einheitlicheres Bild und lässt
eine intensivere Auseinandersetzung mit den Werken und Künstlern zu.
So kann man beispielsweise die immer weiter fortschreitende Reduzierung bei
Pit Kinzer verfolgen. Ein Konzept gegen die Flut der Bilder und Farben? Er
selbst mag schon gar nicht mehr von Holzschnitten reden, sondern nur noch
von Drucken, denn: "Ich schneide ja kaum noch was rein."
Sehr viel farbenfroher, kräftig bis zur brutalen Konfrontation agiert
Joos Mulzer. Wegen seines wilden Farb- und Materialauftrags samt den scheinbar
unkontrollierten Verläufen erinnern seine Bilder an action-painting.
Sehr plastisch, reliefartig wirken sie, die Kräfte des Schaffensprozesses
offenbarend. Aber Mulzer verlässt sich nicht nur auf Farbe, sondern mischt
auch Material, Fundstücke und Fetzen, in seine Kompositionen.
Ebenfalls mit kräftigen Farben arbeitet Dieter Schütz. Seine Thema
ist derzeit die Landschaft. Aber von (grünen) Idyllen ist nichts zu sehen.
Vor allem Rot und Braun in allen Schattierungen, ein wenig blau und auch viel
warmes Gelb setzt er ein. Wer will, kann in den Strukturen Anklänge des
Gegenständlichen finden. Vom bloßen Abbilden freilich hat sich
Schütz längst verabschiedet. Sehr ausgearbeitet sind seine Acryl-Bilder,
spontan entstehen sie nicht.
Weder vollkommen abstrakt noch gegenständlich arbeitet Klaus Kowohl.
Er teilt oft seine Mischtechnik-Bilder in unterschiedliche Sektionen ein und
wandelt somit zwischen Traumwelt und Realität. Verschiedene Sichtweisen
bietet er an, verschachtelt, überlappt, grenzt ab. Der Betrachter kann
sich die Geschichten und Gedanken, die dahinter stecken, selbst zusammensuchen.
i Die Ausstellung im Antonierhaus ist vom heutigen Freitag bis Sonntag, 3.
März zu sehen (10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr).
Bis zur brutalen Konfrontation
Vier "abstrakte" Künstler des Memminger "Kreises"
stellen aus
Von meditativ bis wild