Heike Makatsch tippt eilig etwas in ihren
Computer, steht auf, kramt in ihren Unterlagen herum. Eine kurze Szene aus
dem neuen TV-Sechsteiler »Die Affäre Semmeling«, der zur
Zeit im ZDF läuft. Nur wer ganz genau hingesehen hat, wird eine Verbindung
zum Unterallgäu herstellen können. Denn das Bild an der Wand über
dem Computer hat der Markt Rettenbacher Künstler Pit Kinzer gemalt. Aufgehängt
hat es dort sein Bruder Otto - der Erkheimer ist Film-Ausstatter.
Bei den Semmelings war er das ein dreiviertel Jahr. Dann hat es
Kinzer, am Set zweiter Mann nach Szenenbildner Winfried Hennig, gereicht.
Den genauen Grund will er nicht nennen, denn mit Regisseur Dieter Wedel möchte
er sich nicht anlegen. Kinzer: Dafür bin ich zwei Nummern zu klein."
Dass Wedel, wie er in mehreren Interviews behauptet hat, die Crew gefeuert
hat, will er aber auch nicht so stehen lassen: Wir sind gegangen."
In den neun Monaten davor war Kinzer Teil einer der aufwändigsten
deutschen Fernsehproduktionen. Keine schlechte Erfahrung, für einen Ausstatter,
der sonst mit kleineren Budgets als den mutmaßlich 30 Millionen der
Wedel-Produktion hantieren muss. Natürlich hat auch Improvisieren
seinen Reiz, aber es ist schon schön, wenn Geld da ist", gibt Kinzer
zu. Aber nicht immer ist dieser Einsatz auch zu sehen. Wedel besteht
auf einem 360-Grad-Blickwinkel", erinnert er sich. Verwendet würden
davon oft nur 20 Grad".
Ernüchterung schwingt in Kinzers Stimme bei diesen Worten
mit, aber ganz neu wird diese Erfahrung für ihn nicht gewesen sein. Vor
vier Jahren ist der 43-jährige Seiteneinsteiger vom Design-Fach (Einige
meiner Möbel haben Preise gewonnen.") zum Film gegangen. Als Grund
für diesen späten Wechsel nennt er lapidar: Ich wollte was
Neues machen." Seither hat er bei einigen bekannten Produktionen mitgewirkt,
etwa die Ausstattung für Käpt'n Blaubär" übernommen
und beim Film Wer liebt, dem wachsen Flügel" mitgewirkt.
Als er vor zwei Jahren bei den Semmelings dabei war und es darum
ging, die Wohnung von "Siggi und Silke" (Stefan Kurt und Heike Makatsch)
auszustatten, griff er wieder auf eine bewährte Kooperation zurück
und orderte zwei Bilder in Markt Rettenbach bei seinem Bruder Pit. Galerien
wollen oft viel zu viel Geld", ist ein Grund für die brüderliche
Zusammenarbeit. Natürlich stehe aber an erster Stelle immer, ob die Bilder
zu den Personen passen. Diese Bilder zu besorgen, gehörte wahrscheinlich
zu den leichteren Aufgaben der Produktion. "Das Problem war, dass ja
nicht chronologisch gedreht wurde", erklärt Kinzer. So habe man
einmal nach einer Drehpause die gesamte Wohnung des Semmeling-Sohns noch einmal
neu ausstatten müssen. Der Stellenwert der Ausstatter sei übrigens
viel geringer als früher, sagt Kinzer nüchtern. Habe man früher
mit den Namen der Ausstatter sogar noch auf Kinoplakaten geworben, sei es
nun der Regisseur, "der über allem thront". Und da komme es
eben sehr auf dessen Persönlichkeit an. Denn es gibt so Egomanen,
die vom Feldherrnhügel herunter die Dreharbeiten dirigieren", sagt
Kinzer. Namen nennt er aber keine.

Die Semmelings vors Bild gesetzt
Filmausstatter Otto Kinzer verwendet gern
Werke seines Bruders
Von Volker Klüpfel