PitClown

Augsburger Allgemeine
22.03.2005
Gerald Lindner

Unschärfen mit meditativem Zug
Pit Kinzer stellt unter dem Motto "Stadtistisches" Fotoarbeiten im Gersthofer Rathausfoyer aus

Die Stadt als Lebenswelt, als bedrängender Raum oder auch als grauer Moloch - "Stadtistisches" nennt der bei Marktoberdorf lebende Künstler Pit Kinzer eine Auswahl seiner Fotowerke. Diese sind bei der neuen Ausstellung des Kulturkreises Gersthofen im örtlichen Rathaus zu sehen.
  Der im Jahr 1951 in Ottobeuren geborene Pit Kinzer lernte den Beruf des Schriftsetzers und studierte Architektur an der FH. Seit dem Jahr 1978 arbeitet er freischaffend als Maler, Grafiker und Medienkünstler. Seit 1995 hat er seine Werkstatt und Galerie in Markt Rettenbach bei Kaufbeuren eingerichtet.
  Unter den zahlreichen Auszeichnungen, die Kinzer für seine Werke erhielt, sind Kunstförderpreise der Stadt Augsburg für Literatur (1982) und für Bildende Kunst (1987), ein Irland-Stipendium (1990) sowie der Sonderpreis der Ostallgäuer Kunstausstellung Marktoberdorf (1993).

Unterschiedliche Formate
Für die Ausstellung des Kulturkreises Gersthofen hat der Allgäuer Künstler eine Reihe von Fotoarbeiten zusammengestellt, die er in
unterschiedlichen Formaten präsentiert. Durch die verschiedenen Größen erhält ein und dasselbe Motiv immer wieder andere Wirkungen.
  Mehrere großformatige Fotos aus der Reihe "Shanghaied II" zeigen sich überlagernde

 

Szenen aus der chinesischen Millionenmetropole. Gezielt arrangierte Unschärfen und Überlagerungen verschiedener Motive lassen die Eindrücke verschwimmen wie entfernte Erinnerungen. Einen leuchtenden Akzent gegen die eher grauen Bildtöne setzt ein breiter roter Farbbalken, der die Fotoarbeiten mal am Rand, mal in mittleren Bereich gliedert.
  Ineinander fließen lässt Pit Kinzer seine Motive auch in der Serie "Amsterdamned": Er wählt dafür eher dunkel-dumpfe, verwaschene Grün- und Blautöne. Die fotografierten Gegenstände und Menschen lassen sich dabei nicht konkret festmachen, sie bilden eher gliedernde Bestandteile eines "fotografischen Gemäldes".

 

   Auf mehrfachen Wortsinn spielt Kinzer augenzwinkernd in der Serie "Wienzig". So wählt er kleine Motive - rote Autos oder schwarze Menschenschatten im Gegenlicht und architektonische Details. Die durchgängige Unschärfe nimmt die dargestellten Motive so niemals in den Fokus sondern gibt den Werken eine nahezu meditativ-assoziative Stimmung.
   Humorvoll ist auch ein Foto des Feuerlöschers und des Notausgang-Hinweises im Rathaus - unmittelbar neben dem Original, das durch diese fotografische Betonung schon zu einer Art künstlerischer Installation stilisiert wird.
   Allerdings sind manche der Bilder wegen des Lichteinfalls in der Rathausgalerie und der Reflexionen auf dem Glanzpapier nur schwer zu betrachten.

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