PitClown

11.04.2006
Allgäuer Zeitung
Aufbruch, Wechsel
und Kontinuität

Stephan Dosch







Aufbruch, Wechsel und Kontinuität

Die 18. Ausstellung schwäbischer Künstler im Kloster Irsee.

Eine Bestandsaufnahme der laufenden Kunstproduktion macht alljährlich nicht nur die Große Schwäbische Kunstausstellung in Augsburg. Vergleichbares leistet auch ihr südliches Pendant, die in jedem Frühjahr stattfindende Schau schwäbischer Künstler im Kloster Irsee auch sie gemeinschaftlich veranstaltet von den beiden schwäbischen Künstler-Berufsverbänden. Hier wie dort vermischt sich das Bekannte mit dem Neuen, begegnet man über Jahre hinweg den selben Künstlern ebenso, wie man jedesmal wieder auf neue Namen stößt. Kontinuitäten eines Werks lassen sich dabei nicht weniger verfolgen wie unvermutete Schwenks und Aufbrüche. Der Augsburger Hans Heichele, der in diesem Jahr den zur Ausstellung vergebenen Magnus-Remy-Preis erhielt, gehört zu den beständigsten Teilnehmern der Irseer Kunstschau, und so würdigte die Jury denn auch ausdrücklich die Konstanz seines Schaffens. Das für preiswürdig befundene Wandobjekt "Casa Lem" ist typisch für Heicheles Arbeit der letzten Zeit. Architektur und landschaftliche Tektonik werden hierbei kombiniert und mit Holz und Pappe nachgebildet wobei Heichele sich die verschiedenen Maserungen und Texturen seiner Materialien zunutze macht. So entstehen Arbeiten, die weniger als Architekturmodelle denn als abstrakte Reliefs betrachtet sein wollen. Die Irseer Ausstellung gibt traditionell weder Themen noch sonstige künstlerische Limitierungen vor, lediglich die Zahl der zur Jurierung zugelassenen Werke ist begrenzt. In diesem Jahr umfasst die Auswahl 68 Arbeiten von 59 Künstlern. Somit präsentiert sich die 18. Ausstellung in gattungsspezifischen, technischen und stilistischen Belangen vielfältig wie stets, wobei die Malerei quantitativ den Vorrang behauptet. Zu den herausragenden Arbeiten hierbei gehört Harry Meyers großflächiges Ölbild "Land . . . Energie", eine in Zeichnung, Farbwahl, Pinselführung wie in jeglicher sonstiger Hinsicht bewegte Landschaft. Gekonnt auch die Kombination von Malerei und Collage bei Anja Güthoff. Mit etlichen überzeugenden Arbeiten wartet auch die grafische Sektion auf, etwa mit einer feingliedrigen, geflechtartigen Tuschezeichnung von Renate Horger-Vodermeier und mit einem spannungsgeladenen und großformatigen Farblinoldruck von Götz Ulrich Richter. Besonderen Stellenwert nimmt die Fotografie ein. Ein halbes Dutzend Arbeiten kommen diesmal zusammen was gemessen an früheren Auftritten nicht wenig ist. Karin Bergdolt wirft einen Blick auf die seltsamen Spuren, die die Zivilisation in der urtümlichen Bergwelt hinterlässt. Eine mehrteilige Arbeit von Frank Mardaus und Caroline Rusch bezieht ihren Reiz aus dem Umstand, dass sie erzählfreudig und geheimnisvoll in einem ist. Pit Kinzer artikuliert Unbehagen an den Zeitläuften, indem er Fotos von Plastik-Männchen zeigt, die in Schutzanzügen stecken und zu bedrückenden Szenen arrangiert sind. Titel wie "Endspiel im Entsorger-Cup" sprechen für sich.
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