Aufbruch,
Wechsel und Kontinuität
Die 18. Ausstellung schwäbischer Künstler
im Kloster Irsee.
Eine Bestandsaufnahme der laufenden Kunstproduktion
macht alljährlich nicht nur die Große Schwäbische Kunstausstellung
in Augsburg. Vergleichbares leistet auch ihr südliches Pendant, die in
jedem Frühjahr stattfindende Schau schwäbischer Künstler im
Kloster Irsee auch sie gemeinschaftlich veranstaltet von den beiden schwäbischen
Künstler-Berufsverbänden. Hier wie dort vermischt sich das Bekannte
mit dem Neuen, begegnet man über Jahre hinweg den selben Künstlern
ebenso, wie man jedesmal wieder auf neue Namen stößt. Kontinuitäten
eines Werks lassen sich dabei nicht weniger verfolgen wie unvermutete Schwenks
und Aufbrüche. Der Augsburger Hans Heichele, der in
diesem Jahr den zur Ausstellung vergebenen Magnus-Remy-Preis erhielt, gehört zu den beständigsten
Teilnehmern der Irseer Kunstschau, und so würdigte die Jury denn auch
ausdrücklich die Konstanz seines Schaffens. Das für preiswürdig
befundene Wandobjekt "Casa Lem" ist typisch für Heicheles Arbeit
der letzten Zeit. Architektur und landschaftliche Tektonik werden hierbei kombiniert
und mit Holz und Pappe nachgebildet wobei Heichele sich die verschiedenen Maserungen
und Texturen seiner Materialien zunutze macht. So entstehen Arbeiten, die weniger
als Architekturmodelle denn als abstrakte Reliefs betrachtet sein wollen. Die
Irseer Ausstellung gibt traditionell weder Themen noch sonstige künstlerische
Limitierungen vor, lediglich die Zahl der zur Jurierung zugelassenen Werke
ist begrenzt. In diesem Jahr umfasst die Auswahl 68 Arbeiten von 59 Künstlern.
Somit präsentiert sich die 18. Ausstellung in gattungsspezifischen, technischen
und stilistischen Belangen vielfältig wie stets, wobei die Malerei quantitativ
den Vorrang behauptet. Zu den herausragenden Arbeiten hierbei gehört Harry
Meyers großflächiges Ölbild "Land . . . Energie",
eine in Zeichnung, Farbwahl, Pinselführung wie in jeglicher sonstiger
Hinsicht bewegte Landschaft. Gekonnt auch die Kombination von Malerei und Collage
bei Anja Güthoff. Mit etlichen überzeugenden Arbeiten wartet auch
die grafische Sektion auf, etwa mit einer feingliedrigen, geflechtartigen Tuschezeichnung
von Renate Horger-Vodermeier und mit einem spannungsgeladenen und großformatigen
Farblinoldruck von Götz Ulrich Richter. Besonderen Stellenwert nimmt die
Fotografie ein. Ein halbes Dutzend Arbeiten kommen diesmal zusammen was gemessen
an früheren Auftritten nicht wenig ist. Karin Bergdolt wirft einen Blick
auf die seltsamen Spuren, die die Zivilisation in der urtümlichen Bergwelt
hinterlässt. Eine mehrteilige Arbeit von Frank Mardaus und Caroline Rusch
bezieht ihren Reiz aus dem Umstand, dass sie erzählfreudig und geheimnisvoll
in einem ist. Pit Kinzer artikuliert Unbehagen an den Zeitläuften, indem
er Fotos von Plastik-Männchen zeigt, die in Schutzanzügen stecken
und zu bedrückenden Szenen arrangiert sind. Titel wie "Endspiel im
Entsorger-Cup" sprechen für sich.