Schneefeld oder Danger-Zone
Kempten
kauft für 8000
Euro Werke aus der Kunstausstellung im Hofgartensaal Kempten.
Die
Festwochen-Ausstellung im Hofgartensaal in Kempten zählt zu den wichtigsten
Veranstaltungen für die Allgäuer Künstler. Nicht nur weil
hoch dotierte Preise ausgelobt werden, die Stadt Kempten kauft darüber
hinaus auch für insgesamt 8000 Euro Werke aus dieser Ausstellung,
die der städtischen Sammlung zur Verfügung gestellt werden. "Werke
von Künstlern mit Qualität", wie es Museumsleiterin Ursula
Winkler formuliert.
Hier eine kurze Vorstellung der in diesem Jahr angekauften
Werke und der jeweiligen Künstler.
Matthias Buchenberg (Jahrgang 1964),
Schreiner und Bildhauer aus Vorderburg: stellt seit 1986 aus, nimmt an
Wettbewerben und Kunstaktionen teil, wie zum Beispiel 2004 bei "hARTE
FAKTEn" in der alten Justizvollzugsanstalt Kempten. Kunstpreise 1991
(Oberstdorf) und 2001 (Obergünzburg). Brunnengestaltung 2006 in St.
Mang. 2 Das Werk: "Drehung eines Körpers" in der Größe
30 mal 33 mal 30 Zentimeter aus dem Material Eisen und Schweißdraht.
Mit seiner fragilen und durchlässigen Eisenarbeit entfernt sich Buchenberg
immer weiter aus dem Feld der klassisch-sakralen Bildhauerei und betritt
einen modernen Weg. Ihm gelingt es das Material so zu behandeln, dass einerseits
eine plastisch eigenständige Dimension entsteht und andererseits sich
ein zweiter Blick hinzugesellt. Denn die kleinformatige Arbeit überzeugt
ebenso durch ihre gekonnte Oberflächenbehandlung sowie ihrem Schattenwurf,
der einen weiteren Raum eröffnet.
Oliver Köhl (Jahrgang 1961),
freischaffender Künstler aus Kempten, mit Schwerpunkt Bildhauerei.
Stellt seit 1984 aus und beteiligt sich bei Wettbewerben wie Kunst am Bau,
Kurse, Neue Medien und Projekte. Auszeichnungen: 1987 Preis der Stadt Mainz,
2004 Kunstpreis Pfronten, 2004 Kunstpreis Mainzer Eisenturm. 2 Das Werk: "Danger
- Zone 2 bis 10", 9 teilig", Größe 30 mal 300 Zentimeter,
Fotografie auf Aludibond. Mit dieser Fotoarbeit vertieft Köhl seine
bildhauerische Tätigkeit. Zunächst schuf er eine kleinformatige
Serie Holzskulpturen, die er anschließend in einem immer gleich gewählten
Ausschnitt ablichtete. Streng formal in grauen Schattierungen gefasst,
entfalten sowohl die Holzkörper, als auch die Zwischenräume ihre
Wirkung. Hier beginnt ein Spiel zwischen Realität und völlig
freier Bewegungskraft.
Bernadette Mayr (Jahrgang 1952), freischaffende
Künstlerin mit Schwerpunkt "modernes Patchwork und Acrylmalerei" aus
Kempten. Stellt seit 1992 aus. Seit einigen Jahren ist sie regelmäßig
in der Festwochenkunstausstellung vertreten. 2 Das Werk: "Schneefeld" (2-teilig),
Acryl auf Leinwand, 125 x 200. Auf den Gipfeln liegt der immerwährende
Schnee noch. Auch als eine Art Hommage an die schmelzenden Gletscher kann
das großformatige Diptychon von Bernadette Mayr angesehen werden.
Noch gibt es sie, die weiten Felder, die sanften Flächen in ihren
leisen Schattierungen, die kraftvolles Hinsehen erfordern. Die Schroffheit
vermitteln und Einsamkeit verströmen, die fast den Himmel berühren
und in eine endlose Ferne sich breiten. Die gesamte Vielfalt der stillen
Töne, der "Nichtfarben" präsentiert hier die Künstlerin.
Virtuos setzt sie einen sorgsam gewählten Ausschnitt ins Bild. Benedikt
Zint (Jahrgang 1954), Mechaniker und Autodidakt aus Oberschönegg.
Tätig im Stahlbau und gleichzeitig seit 2003 Mitglied im Berufsverband
Bildender Künstler Schwaben Süd (BBK). Sein Arbeitsgebiet sind
die Skulpturen aus dem Material Stahl und Glas. 2 Das Werk: "A. 5/5",
Stahl, gebürstet / Glas, 16 x 78 x 40". Die plastische Komposition
von Zint liegt auf dem Boden. Aus dem dunkel, geradlinig konzipierten Stahl
leuchtet ein schmaler grüner Streifen hervor, der unterbricht, irritiert
und einen einzigartigen Akzent setzt. Seit Jahren vertieft sich der Künstler
in das Thema und erreicht mit seiner "A. 5 / 5" jene derartig
zurückgenommene Plastizität, die gerade deshalb so aufreizend
wirkt. So still und bescheiden das Objekt zunächst auf dem Boden verharrt
sobald es einen Betrachter gefunden hat, scheint es seine ganze Kraft zu
bündeln. Wie eine Raubkatze vor dem Sprung, alle Sinne nach Innen
gerichtet und das Ziel nicht mehr aus dem Auge verlierend.
Pit Kinzer (Jahrgang
1951), freischaffender Maler, Grafiker und Medienkünstler aus Markt
Rettenbach. Über 80 Einzelausstellungen seit 1979. Der gelernte Schriftsetzer
und Architekt ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Das Werk von
Pit Kinzer ist noch nicht zu sehen. Zumindest nicht in der Ausstellung,
denn der geplante Ankauf wird direkt aus seinem Atelier ausgewählt.
Fest steht jedoch, dass das Werk aus der Reihe "Gerngroßmodels" kommen
wird. Mit dieser seriellen Arbeit hat Pit Kinzer einen Zyklus geschaffen,
der immer wieder überrascht. Als Beispiel sei hier "im Winter
des Lebens" (zu sehen in der aktuellen Schau im Hofgartensaal) genannt,
welches als repräsentativ für seine Fotografien auf Aludibond
gelten kann. Winzig kleine Figuren sind es, die in einem weiten, unwirklich
anmutenden Raum inszeniert werden.