PitClown

31.08.2006
Allgäuer Zeitung Schneefeld oder Danger-Zone
(ask)





















Schneefeld oder Danger-Zone
Kempten kauft für 8000 Euro Werke aus der Kunstausstellung im Hofgartensaal Kempten.

Die Festwochen-Ausstellung im Hofgartensaal in Kempten zählt zu den wichtigsten Veranstaltungen für die Allgäuer Künstler. Nicht nur weil hoch dotierte Preise ausgelobt werden, die Stadt Kempten kauft darüber hinaus auch für insgesamt 8000 Euro Werke aus dieser Ausstellung, die der städtischen Sammlung zur Verfügung gestellt werden. "Werke von Künstlern mit Qualität", wie es Museumsleiterin Ursula Winkler formuliert.
Hier eine kurze Vorstellung der in diesem Jahr angekauften Werke und der jeweiligen Künstler.
Matthias Buchenberg (Jahrgang 1964), Schreiner und Bildhauer aus Vorderburg: stellt seit 1986 aus, nimmt an Wettbewerben und Kunstaktionen teil, wie zum Beispiel 2004 bei "hARTE FAKTEn" in der alten Justizvollzugsanstalt Kempten. Kunstpreise 1991 (Oberstdorf) und 2001 (Obergünzburg). Brunnengestaltung 2006 in St. Mang. 2 Das Werk: "Drehung eines Körpers" in der Größe 30 mal 33 mal 30 Zentimeter aus dem Material Eisen und Schweißdraht. Mit seiner fragilen und durchlässigen Eisenarbeit entfernt sich Buchenberg immer weiter aus dem Feld der klassisch-sakralen Bildhauerei und betritt einen modernen Weg. Ihm gelingt es das Material so zu behandeln, dass einerseits eine plastisch eigenständige Dimension entsteht und andererseits sich ein zweiter Blick hinzugesellt. Denn die kleinformatige Arbeit überzeugt ebenso durch ihre gekonnte Oberflächenbehandlung sowie ihrem Schattenwurf, der einen weiteren Raum eröffnet.
Oliver Köhl (Jahrgang 1961), freischaffender Künstler aus Kempten, mit Schwerpunkt Bildhauerei. Stellt seit 1984 aus und beteiligt sich bei Wettbewerben wie Kunst am Bau, Kurse, Neue Medien und Projekte. Auszeichnungen: 1987 Preis der Stadt Mainz, 2004 Kunstpreis Pfronten, 2004 Kunstpreis Mainzer Eisenturm. 2 Das Werk: "Danger - Zone 2 bis 10", 9 teilig", Größe 30 mal 300 Zentimeter, Fotografie auf Aludibond. Mit dieser Fotoarbeit vertieft Köhl seine bildhauerische Tätigkeit. Zunächst schuf er eine kleinformatige Serie Holzskulpturen, die er anschließend in einem immer gleich gewählten Ausschnitt ablichtete. Streng formal in grauen Schattierungen gefasst, entfalten sowohl die Holzkörper, als auch die Zwischenräume ihre Wirkung. Hier beginnt ein Spiel zwischen Realität und völlig freier Bewegungskraft.
Bernadette Mayr (Jahrgang 1952), freischaffende Künstlerin mit Schwerpunkt "modernes Patchwork und Acrylmalerei" aus Kempten. Stellt seit 1992 aus. Seit einigen Jahren ist sie regelmäßig in der Festwochenkunstausstellung vertreten. 2 Das Werk: "Schneefeld" (2-teilig), Acryl auf Leinwand, 125 x 200. Auf den Gipfeln liegt der immerwährende Schnee noch. Auch als eine Art Hommage an die schmelzenden Gletscher kann das großformatige Diptychon von Bernadette Mayr angesehen werden. Noch gibt es sie, die weiten Felder, die sanften Flächen in ihren leisen Schattierungen, die kraftvolles Hinsehen erfordern. Die Schroffheit vermitteln und Einsamkeit verströmen, die fast den Himmel berühren und in eine endlose Ferne sich breiten. Die gesamte Vielfalt der stillen Töne, der "Nichtfarben" präsentiert hier die Künstlerin. Virtuos setzt sie einen sorgsam gewählten Ausschnitt ins Bild. Benedikt Zint (Jahrgang 1954), Mechaniker und Autodidakt aus Oberschönegg. Tätig im Stahlbau und gleichzeitig seit 2003 Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler Schwaben Süd (BBK). Sein Arbeitsgebiet sind die Skulpturen aus dem Material Stahl und Glas. 2 Das Werk: "A. 5/5", Stahl, gebürstet / Glas, 16 x 78 x 40". Die plastische Komposition von Zint liegt auf dem Boden. Aus dem dunkel, geradlinig konzipierten Stahl leuchtet ein schmaler grüner Streifen hervor, der unterbricht, irritiert und einen einzigartigen Akzent setzt. Seit Jahren vertieft sich der Künstler in das Thema und erreicht mit seiner "A. 5 / 5" jene derartig zurückgenommene Plastizität, die gerade deshalb so aufreizend wirkt. So still und bescheiden das Objekt zunächst auf dem Boden verharrt sobald es einen Betrachter gefunden hat, scheint es seine ganze Kraft zu bündeln. Wie eine Raubkatze vor dem Sprung, alle Sinne nach Innen gerichtet und das Ziel nicht mehr aus dem Auge verlierend.

Pit Kinzer (Jahrgang 1951), freischaffender Maler, Grafiker und Medienkünstler aus Markt Rettenbach. Über 80 Einzelausstellungen seit 1979. Der gelernte Schriftsetzer und Architekt ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Das Werk von Pit Kinzer ist noch nicht zu sehen. Zumindest nicht in der Ausstellung, denn der geplante Ankauf wird direkt aus seinem Atelier ausgewählt. Fest steht jedoch, dass das Werk aus der Reihe "Gerngroßmodels" kommen wird. Mit dieser seriellen Arbeit hat Pit Kinzer einen Zyklus geschaffen, der immer wieder überrascht. Als Beispiel sei hier "im Winter des Lebens" (zu sehen in der aktuellen Schau im Hofgartensaal) genannt, welches als repräsentativ für seine Fotografien auf Aludibond gelten kann. Winzig kleine Figuren sind es, die in einem weiten, unwirklich anmutenden Raum inszeniert werden.



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