29.04.2006
Saarbrücker Zeitung
Mit Kunst wider das Vergessen
(red)
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An diesem Sonntag wird eine Ausstellung im Garten der Künste eröffnet.
Installationen von Pit Kinzer - der Künstler nennt sie "Familiengrab
- Ruhestätte der Familie Krieg" und "Blumen des Bösen" zeigen
Hintergründiges.
Merzig. Jedes Jahr wird am 8. Mai an das Ende des Zweiten Weltkrieges gedacht.
Gedenkfeierlichkeiten finden statt, Kränze werden niedergelegt, es wird
von Trauer, Trost, und von langer Friedenszeit gesprochen. Aber seit dem
Zweiten Weltkrieg lebte die Welt lediglich 30 Tage ohne Krieg - in den letzten
50 Jahren haben über 195 Kriege und zahlreiche bewaffnete Konflikte
stattgefunden.Die meisten Kriege fanden in den nicht industrialisierten Ländern,
vor allem in der dritten Welt statt. In der Statistik der Kriege ist Afrika
(südlich der Sahara) führend, hier gab es 2002 zirka elf Kriege,
dicht gefolgt von Asien mit zehn Kriegen, dem Mittleren Orient (einschließlich
Nordafrika) mit sechs und in großem Abstand Lateinamerika mit nur zwei
großen Kriegen. Seine Installation "Familiengrab - Ruhestätte
der Familie Krieg" sieht Pit Kinzer als Mahnung gegen das Vergessen,
Verdrängen und Ubersehen. Ausgewählten Kriegen seit 1945 hat Pit
Kinzer jeweils ein einfaches Holzkreuz gewidmet, insgesamt sind es 120 Holzkreuze,
deren Anordnung an einen Soldatenfriedhof erinnern. Eine einfache Inschrift
auf jedem Kreuz gibt Auskunft über das Wann und Wo eines Krieges. So
wird der Betrachter nicht nur mit der erheblichen Anzahl der Kriege konfrontiert,
sondern auch noch mit jedem einzelnen Krieg, der schon lange in Vergessenheit
geraten ist. Leider besteht - wie auch in der Realität - die Möglichkeit
zur Erweiterung der Installation, lediglich der Ausstellungsort könnte
Grenzen setzen. Aber was sind für den Menschen schon Grenzen? Ironie
in noch höherem Maße steckt hinter der zweiten Installation von
Pit Kinzer, die extra für den Garten der Künste geschaffen wurde.
Sie hat den Titel "Blumen des Bösen", es sind 50 Blumen, die
aus Fotoarbeit auf CD und einem Metallstiel bestehen. Wer denkt bei Blumen
schon an Böses? Eher wird damit Schönheit, Farbenpracht und Freude
verbunden und meist eine sommerlich behagliche Harmonie assoziiert. Allerdings
werden fleischfressende Pflanzen, auch wenn sie noch so farbenprächtig
sind, als Blumen des Bösen bezeichnet. Und nur die kommen vor in dieser
Installation von Pit Kinzer, er stellt mit jeder Blume einen bösen Menschen
aus der Weltgeschichte dar und davon gibt es ja genug. Da stehen dann Massenmörder
neben Menschenfressern und Mafiakillern als harmlose Blumengalerie versammelt
und symbolisieen das Böse. Auch diese Installation ist in jeder Hinsicht
- auch im übertragenden Sinne - beliebig erweiterbar. Kinzer kommt aus
Markt Rettenbach im Unterallgäu, hat dort seine Werkstatt und eine Galerie.
Er ist gelernter Schriftsetzer und studierter Architekt und als freischaffender
Grafiker und MedienkünstIer tätig. Seine künstlerische Tätigkeiten
und Ausdrucksweisen sind sehr vielseitig: sie reichen von aktuellen Installationen
und Fotoarbeiten bis zu Bildern, Computerkunst, Holzdrucken und Radierungen.
Seit 1979 waren seine Werke in über 80 Einzelausstellungen zu sehen
und bei rund 500 Ausstellungen hat er sich mit einem Beitrag beteiligt. Seit
1982 gab es auch zahlreiche Auszeichnungen für seine Arbeiten, zum Beispiel
2005 den Preis des Rotary Club beim Kunstfrühling in Bad Wörishofen
für dieses Familiengrab oder der Kunstförderpreis der Stadt Augsburg
und im Jahre 1990 Ars Nova Förderpreis der Sparda Bank Saarbrücken.
Auch befinden sich zahlreiche Werke im öffentlichen Besitz, bespielsweise
in der Bayerischen Staatsgemälde Sammlungen München.
Eröffnung
der Ausstellung am Museum Schloss Fellenberg: Sonntag, 30. April, 17 Uhr.
Dem schließt sich um 18.15 Uhr ein "Konzert zum 1. Mai" an.
Gespielt werden Werke von Barber, Beethoven, Liszt, Brahms, Chopin und Prokofiew.
Der junge Pianist Steffen Buchmann aus Pirmasens spielt. Er war Schüler
des renommierten Pädagogen Yukio Oya (München). Der Eintritt zum
Konzert ist frei.
