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Daneben jene, die mit bereits erprobten Mitteln zu bemerkenswert neuen
Ergebnissen gelangen. Pit Kinzer etwa, der Miniaturfiguren hintersinnig
arrangiert und sie dann fotografiert.(...)

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Hinter jedem Bild eine Geschichte
Pit Kinzers hintergründig
inszenierte Gerngross Models
Auf den ersten oberflächlichen Blick hübsch, beschaulich, verspielt - auf den zweiten und dritten irritierend, verblüffend und viele Fragen aufwerfend: Das sind die Fotoarbeiten Gerngross Models des Markt Rettenbacher Künstlers Pit Kinzer, die zur Zeit im Ausstellungsfoyer des Landratsamtes gezeigt werden. Eine ungewöhnliche Schau, die den Besuch lohnt.
Der 1951 in Ottobeuren geborene Kinzer ist gelernter Schriftsetzer und studierter Architekt, seit 1978 freischaffender Maler, Grafiker und Medienkünstler, vielfach mit Preisen dekoriert und immer für Überraschungen gut. Seine Galerie am Schloss in Markt Rettenbach ist seit elf Jahren ein Anziehungspunkt für aufgeschlossene Kunstschaffende und -freunde. Zu den meist großformatigen Fotoarbeiten, von denen ähnliche übrigens bis September auch im Maximilianeum München gezeigt werden, haben den Künstler winzige, nur zwei Zentimeter hohe Figürchen angeregt, die er im Kärntner Kaufhaus Gerngross entdeckte. Dort beleben sie eine weitläufige Miniatur-Eisenbahn-Landschaft: Trachtler und Astronauten, Dienstmänner und Golfer, Müllmänner und Taucher ...
Kinzer hat mit ihnen Momentaufnahmen aus dem Alltag nachgestellt, die allerdings durch bewusste Inszenierung - die Konfrontation des Banalen mit dem Extremen - so verfremdet sind, dass sie den Betrachter, der zunächst nichts Böses ahnt, schnell aus dem Konzept bringen und zu allerhand Fragen anregen. Eine Wirkung, die wirkliche Kunst gerne erzeugt.
Hinter jedem Bild steckt nicht nur eine, sondern stecken viele Geschichten, je nachdem, was der Betrachter daraus macht. Da sind zwei biedere alte Damen, ausgesetzt auf einer scheinbar endlosen, trostlos leeren Schneefläche - ein elender Flüchtlingstreck mitten in einem makellosen Golfplatz - Striptease beim Familienfest - oder von Polizisten umstellte, schuhplattelnde Trachtler.
Durch Kinzers Inszenierung der Figurengruppen und absichtliche Unschärfen ist die Kleinheit der Figuren zunächst nicht erkennbar. Sie besitzen keine Individualität, sind gewissermaßen anonym. Für zusätzliche Verwirrung sorgen die Titel: Gelungene Entfärbung der Bevölkerung, Bedenkenlose Landnahme im Golfkrieg oder Tauchen und Gründeln im Ungefähren.
Nicht von ungefähr wies Laudator Dr. Hans-Wolfgang Bayer, Kulturamtsleiter in Memmingen, auf Parallelen zu der derzeit in der Mewo-Kunsthalle laufenden Ausstellung des chinesischen Fotokünstlers Wang Qingsong hin, der mit seinen inszenierten Welten ebenfalls eine Pseudo-Realität schaffe, wenn auch mit ganz anderer Zielrichtung.
Bayer wies auf die spielerische und bisweilen kuriose Lust am Kleinen hin, von Gullivers Reisen bis Alice im Wunderland, und erzählte von seiner eigenen kindlichen Leidenschaft für Modellautos: Ob Ritterburg oder Modelleisenbahn, das, was uns alle fasziniert und berührt, scheint die Möglichkeit zur Inszenierung einer überschaubaren Welt zu sein, in der wir unumschränkter Chef sind.
Perspektivwechsel
Den dabei notwendigen Perspektivwechsel vollziehe bei Kinzer das Auge der Kamera, das den Betrachter auf dieselbe Ebene mit den Models bringe und allen störenden Kontext ausblende. Eva-Maria Frieder
Die Ausstellung dauert bis 25. Mai. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag
8 bis 17.30 Uhr, Freitag 8 bis 12 Uhr. Eintritt frei. - Am 11. Mai um 19.30
Uhr wird Pit Kinzers Installation Gerngross Models XXL an der Ottobeurer
Rathausfassade enthüllt.