<< zurück

LAUTHALS 1
Neue Szene Augsburg (rechts)

Augsburger Allgemeine 29.12.2009 | Alois Knoller
Miniatur-Wortwelten
Alle sind dahingegangen: Zeitriss, Arc d’Art, Artur. Einzig Gegenwind hat sich als Zeitschrift für Literatur und Kunst aus Augsburg erhalten - jetzt allerdings unter neuer Herausgeberschaft. Auf den ausgedünnten Markt legt nun Reinhard Gammel den neuen Titel „Lauthals - Augsburger Zeitschrift für Literatur und Kunst“. Im Dezember erschien im Eigenverlag für fünf Euro das erste Heft, mit 100 Seiten ordentlich dick, vielfältig illustriert und inhaltlich ziemlich abwechslungsreich. Immerhin fünfzehn Künstler trugen zur Premiere von Lauthals bei, darunter so bekannte Leute wie Pit Kinzer, Michael Friedrichs, Michael G. Symolka und Lothar Zull. Die beliebteste Textform im Heft ist das Gedicht. In allen möglichen Spielarten. Sie geben Rätsel auf, sind nicht auf Anhieb zu verstehen, regen zum Nachdenken an. Friedrichs’ „Derf ich Sie was fragen?“ müsste man eigentlich gesprochen hören, um die Intention der Frage zu erfassen. Hintersinnig klingt die „Anleitung zum glücklich Sein“ von Andreas Wiebel mit so disparaten Elementen wie die Verse „Überall das letzte Wort finden/ Gut gelungene Steuerflucht“. Eher simpel klingen die Liebesschwüre von R. Dengler: „Ich bohr mir ein Loch/ Ich bau Dir ein Haus/ Tu alles für Dich/ Ich liebe Dich doch.“ Aber er schreibt eh lieber über „Orte des Grauens“ in der Augsburger Maxstraße. Zentraler Text des Heftes ist die ausführliche Laudatio (14 Seiten) auf „Metamorphosis“ der Künstlerin Sylvia Beyerle vom Herausgeber Reinhard Gammel. Gelehrt verbreitet er sich über Mythen, den römischen Dichter Ovid und Kaiser Augustus einschließlich seiner Präsenz auf dem Brunnen vor dem Rathaus. Friedrichs huldigt dem großartigen Naturforscher und Augsburger Kupferstecher Jacob Hübner. Nicht nur diese Beitrag ist ausgiebig bebildert. Der Fotograf Lothar Zull liefert eine ganze Strecke anregender Detailaufnahmen. Pit Kinzer ergeht sich in Miniaturwelten zu erfundenen Zeitungsmeldungen. Hinten im Heft befinden sich einige Aktskizzen. Mag das Ganze als Sammelsurium erscheinen, zumal auch die Schriften laufend wechseln, so hat Lauthals doch seinen Reiz.










Augsburger Allgemeine | 20.04.2010 | (rim)

Schräg statt glatt gebügelt
Die Augsburger Literatur- und Kunstzeitschrift Lauthals hat eine Vorliebe fürs Schräge. Das fängt beim Layout an und endet bei der Auswahl der Texte. Schon beim ersten Durchblättern der 2. Ausgabe fällt ins Auge, dass der Herausgeber Reinhard Gammel seiner Zeitschrift kein glatt gebügeltes Layout überstülpt, sondern das Auseinanderstrebende zum gemeinsamen Nenner erhebt (vor allem, was die verwendeten Schrifttypen angeht).
Die Bandbreite der Texte ist groß, reicht von kurzen, knappen Gedichten (R. Dengler „Female Shadows“) über längere Gedichte (Christin Zenker), eine Laudatio, die Reinhard Gammel für Sylvia Beyerle hielt, bis zu mehrseitigen Geschichten (etwa Ariela Sager „Ich bin am Zug“ oder Andreas Wiebel „900 volle Sekunden“).

Der Autorenstamm hat sich vergrößert

Die Qualität der Beiträge schwankt, sowohl bei den künstlerischen Arbeiten, den Grafiken und Zeichnungen als auch bei den Texten. Allerdings hat das seine charmante Seite, weil es für Überraschungen sorgt; zum Beispiel bei den Text-Bild-Geschichten des Künstlers Pit Kinzer, der zu Meldungen seines fiktiven Waldbronner Anzeigers Aufnahmen seiner Gerngroß-Models stellt. Bleibt nur noch anzumerken, dass sich der Autorenstamm der Literatur- und Kunstzeitschrift vergrößert hat. Ein gutes Zeichen!

„Lauthals“ gibt es vierteljährlich im gut sortierten Buchhandel oder in Galerie Globalart, Jakobsplatz 15, oder per Mail an: gamrei@web.de. Das neue Heft stellen die Autoren am Samstag, 24. April, um 18 Uhr in der Buchhandlung am Roten Tor, Kirchgasse 26, vor.